Attraktive Intelligenz – Mehr Respekt für Paris Hilton!

Vortrag von Prof. Dr. Gunter Dueck auf dem RADIO DAY 2011

Manche haben es und manche nicht. Manche wollen es und manche nicht. Wir Deutschen wollen es zu wenig, meint Gunter Dueck. Attraktiv sein ist seiner Meinung nach auch abhängig von der Einstellung. Gunter Dueck ist der Meinung, es müsse in uns eine noch unentdeckte Art der Intelligenz geben – eine für Attraktion und Attraktivität. Mit ihr beherrschen wir die Kunst, Instinktives in anderen zu erzeugen. Etwas, das noch gar nicht da ist oder das es vielleicht noch nie gab! Verführung, Markeninszenierung, Managementreden oder Theaterspiel befassen sich genau damit. Warum studieren wir die Intelligenz der Attraktion oder das Spiel mit den Gefühlen und Instinkten der anderen nicht direkt? Dann würden wir unsere Ikonen höher schätzen – als High-AQs (Ausstrahlung von Attraktion). Dabei geht es vor allem um das Ringen um Aufmerksamkeit.

Unternehmen müssen mutiger sein

Auch Unternehmen ringen um Aufmerksamkeit und unterliegen ebenfalls der attraktiven Intelligenz im Wettbewerb um Kunden. Generell sollten Unternehmen mutiger sein und Dinge ausprobieren. Gunter Dueck fragt: „Warum sind Unternehmen so zögerlich und müssen Facebook erst ausprobieren? Wenn sie zu einer Erkenntnis gekommen sind, gibt es bereits einen neuen Trend.“ Gestern war MySpace noch topaktuell. Heute sind wir auf Facebook aktiv und morgen legen wir uns ein Konto bei Google+ zu – die Geschwindigkeit der Entwicklungen ist rasant gestiegen. Vielleicht rufen wir auch bald ins Autoradio, was wir hören wollen. Individualisierte Inhalte sind bereits im Internet realisiert und auf die Bedürfnisse der User abgestimmt. So fordert der Kunde auch ein personalisiertes Radio. Und für Unternehmen gehört auch individualisierte Werbung dazu – mit Inhalten, die genau auf die Interessen des Nutzers abgestimmt sind. „Vielleicht werden bald Werbespots nur noch in eine Datenbank gestellt und personalisiert abgespielt“, vermutet Gunter Dueck.

Was ist attraktive Intelligenz?

Attraktive Intelligenz definiert sich über verschiedene Eigenschaften: Resonanz erzeugen, Ausstrahlung („Charisma“), auf die Sinne anderer wirken, „Intropathie“ (Gefühle in anderen erzeugen), „Story Telling“, Humor, Verführung, Musik, Genießen & Lust, Ästhetik und „Gänsehaut“. Gerade für Marken ist das Erwecken von Gefühlen und Begehrlichkeiten in den Verbrauchern von Bedeutung. Die Deutschen wollen dies jedoch häufig nicht erlernen und viele Unternehmensmitarbeiter befinden sich noch im Anfängerkurs. Gunter Dueck meint sogar, dass Deutsche nicht attraktiv sein wollen, sich sogar dafür schämen und deswegen die charismatische und selbstbewusste Art der Amerikaner belächeln. Gunter Dueck verlautet: „Amerikaner setzen Hoffnung in Kinder. Wir setzen Erwartungen in Kinder. Die Deutschen müssen endlich aufhören sich zu schämen und aus sich herauskommen.“

Gunter Dueck unterscheidet zwischen den folgenden Arten von Intelligenz:

•       IQ – Normalintelligenz: Struktur, Plan, Organisation

•       EQ – Emotionale Intelligenz: Verstehen („Empathie“)

•       CQ – „Creative Intelligence“: „neugierig-offen“

•       AQ – Ausstrahlung von Attraktion („Intropathie“)

•       VQ – Vitale Intelligenz: Vitalität, Wille und Energie

•       MQ – „Meaning Intelligence“: Sinn für Sinn

•       PQ – Professionelle Intelligenz: Professionalität als integrierendes Dach oder Leitprinzip 

Wo ist die Mittelklasse?

Mit AQ = Ausstrahlung von Attraktion (Intropathie – Kauflust wecken) lässt sich auch erklären, warum Zeitungen, Banken und Parteien verschwinden – sie sind für den Verbraucher einfach nicht attraktiv genug. Wie Intellekt und Attraktionen wirken, zeigt das TV-Gespräch zwischen Verona Pooth und Alice Schwarzer bei Johannes B. Kerner. Die Bildzeitung titelte damals „Brain meets Body“. „Der reine Intellekt diskutierte mit der reinen Attraktion. Und Attraktion gewinnt immer in den Medien“, so Gunter Dueck.

Durch mangelnde Attraktivität besteht in der deutschen Wirtschaft das Problem, dass die Mittelklasse der Mitarbeiter ausstirbt. Schleichend scheint nichts mehr richtig zu gelingen. Gunter Dueck sagt dazu: „Mit dem Einzug der BWL haben wir die Kreativität verloren und anstatt Champagner gibt es nur noch Wasser“. Doch was passiert mit einer Gesellschaft, in der das Mittelmaß fehlt und es nur noch Manager und ungelernte Arbeitnehmer gibt? Funktioniert ein Arbeitsmarkt ohne „Gesellen“? Brauchen wir Attraktivitäts-Bildung? Wenigstens Respekt vor Attraktivität? Vor Paris Hilton? 

 

                                                                                                     Zusammenfassung vom 20. September 2011

Dueck

Prof. Dr. Gunter Dueck

Prof. Dr. Gunter Dueck ist Chief Technology Officer (CTO) der IBM Deutschland, IBM Distinguished Engineer, IEEE Fellow, Mitglied der IBM Academy of Technology sowie der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Für IBM arbeitet der habilitierte Mathematiker und Betriebswirt zu IT- und Innovationsthemen und widmet sich strategischen Zukunftsstudien. In seinen mehrfach ausgezeichneten Büchern untersucht er satirisch-philosophisch den gesellschaftlichen Wandel und seine Herausforderungen für Management, Marken und Medien.

Gunter Dueck: Risiken und Chancen in der Wissensgesellschaft