Innovation – Zukunft – Medien

Vortrag von Universitätsprofessorin Dr. Marion Weissenberger-Eibl zum RADIO DAY 2009

Sind Innovationen planbar? Und wenn ja, welche Kriterien müssen sie erfüllen? Diese Kernfragen ihrer Forschungsarbeit erläutert Universitätsprofessorin Dr. Marion Weissenberger-Eibl ihrem Publikum auf dem RADIO DAY 2009. Für die Zukunft des Radios sind das besonders bedeutende Fragestellungen – hat sich doch das Marktumfeld durch die neuen digitalen Medien in den letzten 15 Jahren radikal verändert: Das Radio steht in Konkurrenz zu einer Vielzahl neuer Medien und Formate und gerät dabei unter einen immer stärkeren Innovationsdruck. Da ist die stetige Neuerfindung und Anpassung an die Bedingungen des Marktumfelds eine große Herausforderung für die Macher, die immer wieder innovative und kreative Ansätze entwickeln müssen.

Technische Medien befinden sich in einem Wettbewerb um begrenzte Ressourcen. Dabei werden alte Medien entweder verdrängt oder suchen sich neue Nischen, so Weissenberger-Eibl. Im Falle des Mediums Radio sei es hier zum Beispiel zu einer Grenzverschiebung gekommen: Der User hört inzwischen seine Podcasts überall und wann er will, er verwischt die Grenze zwischen Produzent und Konsument und entwickelt sich durch selbst produzierte Formate zum Prosument.

Rechtzeitige Ausrichtung auf Veränderungen unterstützen
Doch wie können Medienanbieter derartige Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen im Voraus erkennen, somit frühzeitig ihr Angebot überdenken und sich rechtzeitig mit ihren Produkten auf die neuen Trends einstellen? Durch entsprechende wissenschaftliche Methodik, meint Weissenberger-Eibl. Welche Theorien, Modelle, sozialwissenschaftliche Messinstrumente und Datenbanken für derartige Innovations- und Trendforschung in die Untersuchungen des Fraunhofer ISI einfließen oder dafür weiterentwickelt werden, präsentiert sie den Zuhörern anhand von ausgewählten Projekt-Beispielen:

Der Dritte Österreichische Kreativwirtschaftsbericht liefert eine Untersuchung zum Beitrag der kreativen Branchen am Innovationssystem. Die Forschungsarbeit des Fraunhofer ISI hat dabei unter anderem zu der Erkenntnis geführt, dass gerade die so genannte Kreativwirtschaft nicht nur als eigenständiger Wirtschaftszweig, sondern vielmehr als wichtiger Innovationsmotor anzusehen ist. Denn das Geschäftsmodell der Unternehmen dieser Branche, das die Entwicklung neuer Ideen und deren Umsetzung in marktfähige Produkte und Dienstleistungen beinhaltet, benötigt kreative Köpfe und neue Impulse – kein Zufall also, meint Weissenberger-Eibl, dass die Beschäftigten der Branche einen hohen Bildungsstand besitzen, flexibel und mobil sind. Das birgt Potenzial. Vor allem von der Werbewirtschaft gehen hier besonders starke Impulse aus, die sich über Branchengrenzen hinwegsetzen: Denn die Werbung unterstützt ihre Kunden in verschiedenen Phasen des Innovationsprozesses, bei der Ideenfindung, der Markteinführung und der Implementierung neuer Verfahren.

Veränderte Gewohnheiten verlangen nach neuen Inhalten
Dass die verschiedenen Methoden der Technologievorschau des Fraunhofer ISI einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, den sich abzeichnenden Wandel frühzeitig zu identifizieren und dann aktiv für eine Mitgestaltung zu nutzen, belegt die Referentin am Beispiel des Projektes FAZIT, für das im Auftrag des Landes Baden-Württemberg die Vorteile und Potenziale zukunftsorientierter Informations- und Medientechnologien untersucht wurden. Ziel der Arbeit war die frühzeitige Erkennung von Trends, die Analyse des zukünftigen Bedarfs und die Identifizierung von Einsatzmöglichkeiten innovativer Technologien. Mit spannenden Ergebnissen zur voraussichtlichen Entwicklung der IT- und Medienwelt in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020, die laut Weissenberger-Eibl unter anderem veränderte Nutzungsgewohnheiten der User prognostizieren. In Bezug auf das Radio kommt die Studie zum Beispiel zu der Annahme, dass zukünftig die On-Demand-Nutzung stärker als die Nutzung von Broadcast-Sendungen sein werde und somit die Anbieter konsequent mit veränderten Inhalten reagieren müssten.

Große Chancen für Querdenker
Weissenberger-Eibl kommt zu dem Schluss, dass die Zukunft des Radios in engem Kontext mit der Kreativwirtschaft zu sehen ist: Um sich in dieser schnelllebigen Branche durch strategische Vorausschau und Zukunftsforschung für die Zukunft fit zu machen, sei es erforderlich, dass sich beide ständig neu erfinden. Das Medium Radio habe dann nicht nur die Chance, sich rechtzeitig diesen schnell wandelnden Rahmenbedingungen anzupassen, sondern könne die Trends der Zukunft mitgestalten – und sie sogar setzen.
Insgesamt gelte vor allem: Innovationsmanagement heißt, auch Querdenkern eine Stimme zu geben, denn sie sind diejenigen, die neue Impulse und Nischen für eine zukunftsfähige Radiowelt schaffen.

Dr. Marion Weissenberger-Eibl

Universitätsprofessorin Dr. Marion Weissenberger-Eibl ist Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung. Sie war Privatdozentin und Bereichsleiterin an der Technischen Universität München und hält derzeit einen Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Logistik an der Universität Kassel. Dr. Weissenberger-Eibl war über mehrere Jahre als leitende Führungskraft eines internationalen Unternehmens der Bekleidungsindustrie im In- und Ausland tätig. Zusätzlich zur wissenschaftlichen Forschungstätigkeit hat sie umfangreiche Beratungsprojekte für Industrie- und Dienstleistungsunternehmen durchgeführt. Die Schwerpunkte ihrer wissenschaftlichen Forschung liegen in den Bereichen Technologie- und Innovationsmanagement, Strategische Unternehmensführung, Organisation und Wissensmanagement sowie Produktion.