The Value of Creativity and Innovation in Media Communication
Vortrag von Prof. Dr. Edward de Bono zum RADIO DAY 2009
Das größte Problem der Menschheit ist für Prof. Dr. Edward de Bono nicht der Klimawandel, sondern schlechtes Denken. Wie wir dieses Problem lösen, erklärt er auf dem RADIO DAY 2009.
Warum wir nur logisch denken können
Wir tun uns unglaublich schwer damit, kreative Gedanken zu entwickeln. Doch woran liegt das? Für de Bono ist das darin begründet, dass unser heutiges Denken auf Sokrates, Plato und Aristoteles urteilsbasiertes Denken zurückgeht. Und da die Kirche, die unsere westeuropäische Denkweise zusätzlich geprägt hat, ebenfalls kein kreatives, entwickelndes Denken zuließ, besitzen wir zwar exzellente Denkstrategien, um die Wahrheit herauszufinden. Aber wir haben niemals gelernt, Innovationen zu entwickeln.
Warum wir ein Problem haben, neue Ideen zu entwickeln
Kreativität bedeutet, so de Bono, Informationen neu miteinander zu verbinden, wie zum Beispiel drei geometrische Teile zu einer neuen Form zusammen gesetzt werden können. Doch warum haben wir ein Problem, neue Ideen zu entwickeln? Ein Computer bräuchte 40 Stunden, um die knapp 40 Millionen Kombinationen zu berechnen, die man mit elf Kleidungsstücken erzielen kann. Damit wir nicht Zeit unseres Lebens mit dem morgendlichen Anziehen verbringen, haben wir Denkmuster entwickelt, solche Entscheidungen zu beschleunigen. Wir gehen immer von A nach B und niemals über C.
Wie wir diesen Kreislauf durchbrechen – das Laterale Denken
Doch gerade diese pragmatische Lösung des Denkens steht uns beim kreativen Denken im Weg. Um den Kreislauf zu durchbrechen, hat de Bono das Laterale Denken (Lateral Thinking) erfunden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, es durchzuführen:
1. Blockieren: Durch eine Herausforderung zwingen wir uns, in eine andere Richtung zu denken.
Als Beispiel nennt de Bono seine Arbeit für Shell Oil 1971. Shell Oil hatte 80 Jahre lang Öl durch gerade verlaufende Ölrohre gefördert. Seine Idee war es, einen Knick in die Leitung zu integrieren und zu schauen, was passiert. Das Ergebnis: Durch eine geknickte Leitung kann bis zu drei bis sechs Mal mehr Öl gefördert werden. Inzwischen arbeiten weltweit alle Ölpumpen so.
2. Zurück zum Ausgangspunkt.
In einer australischen Kleinstadt waren stetig alle Parkplätze durch Dauerparker blockiert, berichtet de Bono. Doch wie kann man die Menschen dazu bringen, kürzer zu parken? De Bono stellte die Regel auf, man dürfe sein Auto so lange parken, wie man möge – man müsse nur sein Licht anlassen. Die Sorge darum, das Auto könne nicht mehr anspringen, war offensichtlich größer als der Wunsch, lange in der Stadt zu bleiben. Man muss also nur die passenden Reize setzen – schon erledigten die Menschen alles so schnell wie möglich und es gab immer genug Parkplätze.
3. Einen komplett falschen Schritt machen und den Weg trotzdem weiterverfolgen.
Auch hier gibt de Bono ein Beispiel: Ein Teilstaat in Kanada hatte das Problem, dass Unternehmen ihre Abwässer etwas weiter flussabwärts in die Gewässer leiteten und sie somit verschmutzten. Die Lösung: Die Unternehmen wurden gezwungen, ihre Abwässer oberhalb des Flusses einzuleiten – damit sie die ersten sind, die unter ihrer eigenen Verschmutzung zu leiden hatten.
4. Provozieren.
60 Prozent aller Flugzeugabstürze sind dem Fakt geschuldet, dass kein Auftrieb mehr hergestellt werden kann. Über ein provokante Überlegung sind Ingenieure von Boeing diesbezüglich zu einem entscheidenden Fortschritt gekommen: Was wäre, wenn ein Flugzeug anders herum landen müsste? Genau, es würde einen Schub nach unten geben. Und wie könnte der vermieden werden? Durch kleine Flügelchen an der Seite. Nach de Bono ist das vielleicht eine Lösung, durch die bald viele Flugunglücke vermieden werden könnten.
5. An einer anderen Stelle anfragen – und durch Zufallsentdeckungen zum Ziel gelangen.
Wenn jemand auf der Suche nach einer adäquaten Partnerin sei, sollte er nach de Bono würfeln. Er demonstriert dies im Plenum, würfelt eine 3, eine 1 und eine 6 und rechnet diese anhand einer Tabelle in das englische Wort „Saw“ um. Seiner Meinung nach könne dies unterschiedlich interpretiert werden, zum Beispiel als „Säge“. Und so sollte der Mann ein neues Hobby oder einen Beruf mit einer Säge beginnen – vielleicht trifft er auf diese Art und Weise die Frau seines Lebens.
Die Kunst, nicht zu streiten – das Hütchen-Denken
Doch de Bono präsentiert nicht nur Ansätze für Kreatives Denken, sondern hat auch ein sinnvolles Problemlösungsverfahren entwickelt. In unserer Kultur ist es tief verankert, uns zu streiten. De Bono hält dies für eine völlig ineffiziente Art und Weise der Auseinandersetzung. Das Problem liegt seiner Meinung nach darin, dass unsere Wahrnehmung entscheidend für unser Denken ist: 90 Prozent der Denkfehler seien Wahrnehmungsfehler, keine Logikfehler. Und somit sollten wir im Falle einer Auseinandersetzung nicht über Fakten streiten, sondern vielmehr unterschiedliche Perspektiven einnehmen. De Bono empfiehlt dafür das Verfahren des 6-Hut-Denkens: Ein weißer Hut steht für faktisches Denken, ein roter Hut für emotionales Denken, ein schwarzer Hut für kritisches Denken, ein gelber Hut für optimistisches Denken und ein grüner Hut für Kreativität sowie ein blauer Hut für das Organisieren. Wenn wir immer alle sechs Positionen einnehmen, können wir viel besser gemeinsam neue Ideen entwickeln und streiten nicht mehr.
Denkminister und der Palast des Denkens
De Bono schließt seinen Vortrag mit einer Anregung: Wir sollten einen Denkminister in der Regierung haben. Dieser schlägt neue Ideen vor, über die das Volk dann abstimmen kann – wird die Idee nicht angenommen, wird sie eben wieder verworfen. Aber nur so bekommen wir seiner Meinung nach die Möglichkeit, Ideen auszuprobieren. Außerdem plant de Bono, einen Palast des Denkens („Palace of Thinking“) zu entwickeln: Eine Plattform zum Veröffentlichen und Sammeln von Ideen.
Prof. Dr. Edward de Bono
Prof. Dr. Edward de Bono gilt als führender Experte für Kreatives Denken. Er hat zahlreiche Techniken zur originellen Ideenfindung außerhalb eingefahrener Denkmuster entwickelt. 1969 gründete er zur Verbreitung seiner Lehre den Cognitive Research Trust. De Bono ist der Erfinder des „Lateralen Denkens“, bei dem es darum geht, gezielt verschiedene Denk- und Wahrnehmungsperspektiven einzunehmen. Dafür hat er beispielsweise das berühmte „6-Hut-Denken“ entwickelt.
