Sex im Radio

Vortrag von Irina von Bentheim zum RADIO DAY 2010

Die Stimme ist wichtig, denn sie hat Macht. Auf dem RADIO DAY 2010 demonstrierte Irina von Bentheim, die Synchronstimme von Sarah Jessica Parker aus der Kultserie „Sex and the City“, wie viel Einfluss die Stimme auf das Gegenüber hat.

Sex in der Stimme

„Welche Stimmen finden Sie sexy?“ fragt Irina von Bentheim die Besucher zum Einstieg ihres Vortrags. Ihre Stimme gilt als die erotischste Stimme Deutschlands. Aber was macht eine Stimme überhaupt sexy? Rauchige und tiefe Stimmen gelten als besonders sexy. Hohe Stimmen vermitteln Hilflosigkeit oder Anlehnungsbedarf. Durch Aufregung geht die Stimmlage ebenfalls in die Höhe. Irina von Bentheim hatte früher eine höhere Stimme und versuchte seriöser zu klingen, in dem sie ihr die Höhen entzog. Mittlerweile hat sie dieses Problem nicht mehr. Die Stimme eines Menschen wandelt sich im Laufe der Zeit. „Wir haben es selbst in der Hand, mehr Bestimmtheit in unsere Sprache zu bringen“ erklärt die frühere Radiosprecherin. Die Stimme der Europäerinnen hat sich übrigens in den letzten 50 Jahren um 23 Hertz herabgesenkt. Ungeklärt bleibt die Frage, ob diese Entwicklung Ausdruck eines gestiegenen Selbstbewusstseins ist. Die Japanerinnen dagegen sprechen in einer Frequenz bis zu 450 Hertz. Stimmen haben aber auch mit Sprache zu tun. Amerikanerinnen können durch die kehlige Sprache quäkige Stimmen bekommen. Und das Spanische klingt oft eher hart und resolut.  

Es gibt Phasen, in denen die Stimme besser unter Kontrolle ist, und Phasen, in denen dies nicht gut gelingt. „In der Stimme drückt sich unsere Seele aus“ betont von Bentheim. Die Stimme ist viel mehr als nur ein Mittel zur Kommunikation. Sie drückt Gefühle aus, wird durch persönliche Erfahrungen geprägt und ist einzigartig, wie ein Fingerabdruck. Die Persönlichkeit eines Menschen definiert sich über die Stimme.

Stimme in der Radiowerbung    

Die Stimme in einem Spot muss ansprechend sein. Irina von Bentheim möchte an die Hand genommen und geführt werden. Die Stimme schafft Vertrauen und weckt Sympathien. Um dies zu erreichen, muss sie authentisch sein und dem Unternehmen entsprechen, für das sie spricht. So kann sie auch überzeugen. Dabei muss die Stimme nicht immer tief sein. Wenn sie melodisch ist, empfinden Frauen durchaus auch höhere Stimmlagen bei Männern als angenehm. Eine schöne Stimme kann sehr verführerisch wirken und von der Radiowerbung für eine Botschaft genutzt werden – hier muss sie sogar verführerisch sein. „Stimme ist ein Wirtschaftsfaktor. Wo auch immer sie hinsehen, eine gute Stimme kommt weiter. Einer guten Stimme hören die Menschen zu, schenken ihr Vertrauen“ weiß Irina von Bentheim.

Die Macht der Stimme

Viele Menschen sind sich gar nicht bewusst, welche Macht ihre Stimme ausüben kann. Das kann daran liegen, dass sie ihre Stimme nicht mögen oder sie vielleicht auch gar nicht richtig kennen. Stimmungen drücken sich in ihr aus. Es wird schnell klar, ob ein Mensch gute oder schlechte Laune hat. „Wenn ich guter Stimmung bin, kann ich mit meiner Stimme Berge versetzen“ ist Irina von Bentheim überzeugt. Am Telefon hätte sie schon oft die besten Verhandlungen geführt. Selbst Cicero war sich schon der Macht seiner Stimme bewusst und trainierte sie – mit Erfolg. Als Werkzeug, das geschmiert werden muss, beschreibt von Bentheim die Stimmbänder, die auch Stimmlippen genannt werden. Sie benötigt Pflege – gerade wenn mit ihr gearbeitet werden muss. 

Für den richtigen Einsatz der Stimme ist die Atemtechnik ausschlaggebend. Einatmen und Ausatmen haben einen entscheidenden Einfluss auf den Klang der Stimme. Viele Menschen atmen heutzutage jedoch nicht richtig. Das heißt, sie atmen nicht tief genug ein und lassen nicht genügend verbrauchte Luft raus. Gesang eignet sich besonders gut, das Atmen und damit auch die Stimme zu trainieren. Zum Abschluss des Vortrags wird dies gleich in die Praxis umgesetzt. Irina von Bentheim stimmt mit den Besuchern den Kanon „Froh zu sein bedarf es wenig...“ an. Am Ende erklingt das Lied vierstimmig – die erste Trainingseinheit ist geschafft.    

Das Fazit von Irina von Bentheim: Die Menschen sollten sich ihrer Stimme mehr bewusst werden. Sie ist ein Instrument, das gezielt eingesetzt werden sollte. Es lohnt sich an der Stimme zu arbeiten, da sie nicht nur auf den Klang sondern auch auf eine ganze Person einen Effekt hat.           

Zusammenfassung vom 07. Oktober 2010

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von Bentheim

Irina von Bentheim

Irina von Bentheim ist als deutsche Synchronstimme der US-Schauspielerin Sarah Jessica Parker alias Carrie Bradshaw in „Sex and the City“ bekannt. Ihre Stimme wusste die heute 47-Jährige schon früh richtig einzusetzen: als Kind hat von Bentheim bereits mit Heinz Erhard, Heinz Rühmann und Peter Alexander zusammen gearbeitet.